Halb acht. Die Kinder sind im Bett, die Gutnacht-Liedchen abgesungen. Müde und abgekämpft gucken wir in die Röhre. Flach ist der Bildschirm, scharf das Bild, brillant die Farben. Was hat der Tag gebracht? Wir werden begrüsst und willkommen geheissen. Die Moderatorin scheint gut gelaunt zu sein. Wie jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht. Vor dem Millionenspiel gibt es eine halbe Stunde Saures. Eine Bombe hat ein paar Menschen aus dem Leben gerissen. Sind es siebzehn oder nur fünf? Spielt das eine Rolle? Das Bier ist zu warm, schmeckt bitter. Alltag in Bagdad, nichts Ungewöhnliches. Tausend und eine Nacht, das war einmal. Bergiges Land, karges Land. Bärtige Männer hausen in Höhlen und kämpfen gegen glatt rasierte Soldaten in Panzern. Neue Bilder, schon tausendfach gesehen. Auswechselbar, verwechselbar. Palästinenser, staatenlos, schicken Raketen nach Israel. Israel bombt zurück. Gnadenlos. Die Welt ist teilnahmslos. Unfehlbar der Papst. Entmenschlichung. Wirtschaftskrise. Finanzkrise. Aktien fahren in den Keller, Gold ist teuer. Der Franken auch. Ehekrise. Nach der Pleite geht auch Susi. Geld regiert die Welt. Den Griechen geht die Luft aus und den Deutschen die Geduld. Der kleine Franzmann macht sich grösser, als er ist, will hoch hinaus. Etwas zu hoch und landet auf dem Bauch. Sein italienischer Freund bekommt eins auf die dritten Zähne. Im Spital schreibt Silvio zahnlos süsse Lieder, tanzt Bunga Bunga mit blonden Schwestern und Gaddafis Tochter. Der Wüstenfuchs hat sich verkrochen, sein Zelt ist abgebaut und wird nicht mehr aufgebaut. Die Menschen gehen auf die Strasse, in Tunesien und Ägypten, schreien ihre Wut aus dem Bauch. Diktatoren werden einfach weggefegt. Weitere Länder folgen ihnen und werden noch folgen. Die Chips sind fettig, machen Durst. Politiker an der Macht. Ohnmacht. Banken kassieren die Zinsen, das Volk, also wir, bezahlt die Zeche. Boni-Millionäre geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Grinsen frech und siegessicher in die Kamera. Sie treiben uns in den Ruin. Demonstration an der Wallstreet. Ein paar Linke. Erst mitleidig belächelt, wächst die Bewegung schnell zum Volksprotest. Nun müssen die Finanzdiktatoren weg. Spekulanten, Investmentbanker und Zocker haben sich verspekuliert. Dem Vogelgrippe-Virus gleich infiziert die Ohnmacht und Wut der Bürger in rasantem Thempo die Welt. Dagegen hilft kein Tamiflu. Die Kehle wird trocken. Wir sind die Bürger, wir sind die Macht. Es wird Zeit, den Ausschaltknopf zu drücken und auf die Strasse zu gehen. Wenn nicht für uns, dann unserer Kinder wegen.
Gute Nacht.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen