Donnerstag, 3. November 2011

Es war einmal ....

So beginnen alle Märchen. Es war einmal eine Stadt, eine reiche Stadt, an der Grenze zweier Königreiche. Diese wurden von einem kleinen König und von einer Königin regiert, doch dies ist für dieses Märchen eigentlich unwichtig. In der Stadt gab es keinen König, dafür einen selbst ernannten Stadtpräsidenten. Die Stadt hätte eigentlich von den Bürgern der Stadt regiert werden sollen. Es gab glücklicherweise viele Einwohner, die nichts zu sagen hatten und regieren durften sie erst recht nicht, da sie Fremde und keine Bürger waren. Trotzdem konnten nicht alle Bürger die Entscheidungen fällen, die für sie und der Stadt wichtig waren – der Rathaussaal war einfach zu klein dafür. Und so beschlossen die Bürger, ein paar wenigen Mitbürgern ihre Stimmen zu leihen, damit diese ihre Bürgerinteressen vertraten und auch durchsetzen konnten. Tatsächlich gab es viele Bürger, und dies war schon etwas sonderbar, die der Mehrheit der Bürger dienen wollten. Doch all die Freiwilligen, die sich als Staatsdiener gemeldet hatten, fanden ebenfalls nicht alle Platz im Rathaussaal, also an dem Ort, an dem die Interessen der Bürger hätten wahrgenommen werden sollen. Die Bürger mussten sich somit für ein paar wenige Diener entscheiden. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. So kam es, dass die Wahlwilligen sich bei den Wählern nur von der besten Seite zeigten, optimistisch, aufgestellt und in Dienerpose. Um es den Bürgern in ihrer Entscheidung etwas leichter zu machen, liessen die Kandidaten alle Bäume und Wände entlang der Strassen mit ihren Portraits zukleistern. Sie gaben den Bürgern ihr Versprechen ab, meist mit besorgter Unschulds-Miene und vermeintlich ehrlichem Gesicht, ihnen zu dienen und mit aller Kraft für sie einzustehen. Von den Bürgern einmal gewählt und kaum auf einem der gut gepolsterten Regierungssitze niedergelassen, mussten sich die frischgewählten Regierungsvertreter, so hiessen nun diese Bürger, nach der Wahl vom ach so strapaziösen Stress erholen und erst einmal für sich selber sorgen. Statt zu dienen, versuchten sie nun ihren Lohn dafür zu kassieren. Die vor der Wahl so umgänglichen, sympathischen und dienerfreundlichen Nochbürger wandelten sich schneller, als ein frischer Apfel schrumplig werden kann, in unnahbare, rechthaberische Regierungsvertreter, die nur zu ihrem eigenen Wohl regierten. Wenigstens bis spätestens zur nächsten Wahl.

Gute Nacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen